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Bourg Saint Andéol – Grignon

11. Juni 2019 - Pont-de-Montvert - Bourg Saint Andéol (200 Km)
Über das Wetter und das Licht werde ich mich nicht erneut auslassen! Alles unverändert, aber es scheint vorläufig der letzte schlechte Tag im Süden Frankreichs zu werden! Über die kleine Passstraße des Col du Sapet, die direkt hinter dem Campingplatz beginnt, starten wir in den neuen Tag. Es handelt sich bei dieser Passstraße um ein schmales Sträßchen, dass entgegenkommende Fahrzeuge an den wenigsten Stellen zulassen würde. Oben auf der Passhöhe warnt ein Straßenschild den Autofahren zu Recht mit „Route dangereuse et difficile“, sehr beruhigend für die bevorstehende Abfahrt! Erneut treffen wir auf eine Gruppe von Wanderern, die im Gänsemarsch neben einem Esel daher trottet. Gleiche Wanderer würden in den Alpen ihre Siebensachen im Rucksack selber auf dem Rücken transportieren! Was also prädestiniert die Cevennen für eine Wanderung mit einem Transport-Esel? Vielleicht der romantische Gedanke, dass Herr Stevenson vor fast 150 Jahren das gleiche Transportmittel für sein Gepäck ausgewählt hat? Könnte man auch auf die Idee kommen, dass Herr Stevenson damals eine etwas andere Infrastruktur in den Cevennen vorgefunden hat und daher ein Esel durchaus seine Berechtigung hatte?


Von der Corniche de Cevennes, eine beliebte Höhenstraße durch die Cevennen, hatten wir uns mehr versprochen. Wir erreichen über diese Passstraße Saint-Jean-du-Gard und parken unser Womo wieder einmal außerhalb des Zentrums, da der Hauptparkplatz aufgrund des heute stattfindenden Marktes voll belegt ist. Wir wähnen uns als einzige Deutsche in dieser vermeintlich von jeglichem Tourismus freien Stadt. Jedoch weit gefehlt: Auf dem Markt hören wir rings um uns herum Touristen, vornehmlich deutscher Herkunft. Es erschließt sich uns letztlich nicht, warum das so ist - nicht alle sehen aus wie Wanderer!

Die Produkte auf dem Markt sind teilweise außergewöhnlich, so erwerben wir Kastanien- und Erdbeerbaum-Marmelade, unterschiedlichste extravagante Salamis, außerdem eine Paté aus Stockfisch (in Salz eingelegtem Kabeljau). Das Preisniveau ist für unseren Geschmack relativ hoch.

Es gibt von unserem Parkplatz jenseits der Brücke über den Gardon genau zwei Wege zur Weiterfahrt, entweder mitten durch die Marktstände, was sich aufgrund der abbauenden Marktbeschicker als unmöglich erweist oder aber über ein winziges Nebensträßchen zurück zur D 907. Die einzig verbleibende Alternative erweist sich als echte Herausforderung für unser 7,5 Meter langes Fahrzeug, denn ich muss durch superenge Kurven durch Felsspalten mit Überständen und zum Schluss auch noch über ein Brückchen ohne jegliches Geländer, kaum breiter als unser Reifenstand und einer direkt darauffolgenden 90 ° Grad Kurve navigieren! Alles geht gut, und wir können unseren Weg nach Bourg-Saint-Andéol fortsetzen. Unterwegs sichten wir tatsächlich die ersten blühenden Lavendelfelder unserer Reise – genau darauf hatten wir gehofft! Wir wollen die in einigen Regionen der Provence bereits Mitte Juni blühenden Lavendelfelder in den letzten Tagen unserer Reise aufspüren und fotografieren.

Für heute Abend haben wir uns aber erst einmal einen hinreißenden France Passion Platz auf einem Weingut ausgesucht, Notre Dame de Cousignac in Bourg Saint Andéol. Der Inhaber des Weingutes, Raphael Pommier, empfängt uns herzlich, entschuldigt sich aber zugleich, da er gerade sehr „busy“ sei. So verabreden wir uns zu einer Degustation zu einem späteren Zeitpunkt am Abend.

Das kommt uns sehr gelegen, und wir machen uns zu einem kleinen
Erkundungsgang in der Umgebung auf. Dank unserer Komoot-App finden wir einen sehr überwachsenen Weg durch einen Eichenwald, bei dem wir uns fragen, wie lange auf diesem Weg schon kein Mensch mehr gelaufen sein mag! Zurück am Wohnmobil kommen wir ins Gespräch mit Elody, der niedlichen, kleinen Tochter von Raphael. Sie wächst zweisprachig auf und kann sich gleichermaßen auf französisch wie auf englisch eloquent ausdrücken, da ihre Mutter Amerikanerin ist.

Die Weinprobe mit Raphael ist ein Erlebnis für sich. Wie üblich starten wir mit einfachen Weinen und entscheiden uns spontan für den richtig leckeren und unkomplizierten Rosé Wein. Die Rotweine haben indes alle eine eigene Entstehungsgeschichte, die uns Raphael nur zu gerne in aller Ausführlichkeit erzählt. Der Cuvée Vinolithic ist in Eichenfässern 12 Monate lang in einer 1,5 Kilometer tiefen Grotte der Ardeche gelagert worden und dort gereift unter geradezu idealen Bedingungen, kühl, feucht und dunkel. Ein Foto aus der Tropfsteinhöhle zeugt von diesem Prozess.

Der zweite „Spezialwein“ namens Accord Tonique wurde gelesen während ein Klassikquartett im Weinberg musizierte! Raphael zeigt uns auf seinem Handy ein Video von diesem Event, bei dem die Arbeiter besonders motiviert zu Werke gegangen seien. Während der Reifung im Keller wurde dann der Wein mit der gleichen Musik vom Band drei Wochen lang beschallt. Raphael, der übrigens gut Deutsch spricht, erzählt derartig enthusiastisch von dem Projekt und ist felsenfest davon überzeugt, dass Musik während des Reifungsprozesses positive Auswirkungen auf den Wein hat, dass man gar nicht anders kann als ihm Glauben zu schenken. „Schließlich wirke sich Musik auch positiv auf Embryos bei Schwangeren aus“, erklärt er abschließend! Auf dem Etikett des Weines ist ein QR-Code enthalten, mit dessen Hilfe man sich die Musik des Klassik Quartetts kostenlos herunterladen kann - wir finden das einfach eine grandiose Idee!

Unser Abendessen findet bei Regen wieder einmal innerhalb des gemütlichen Wohnmobils statt. Es gibt leckere Lammkoteletts mit grünem Spargel, dazu ein Cotes du Rhone vom hiesigen Weingut!


12. Juni 2019 - Bourg Saint Andéol – Grignon (70 Km)

Bei unserer Verabschiedung gibt uns Raphael noch diverse Tipps, was man noch alles in der Umgebung machen könnte! Das reicht alleine für vierzehn Tage, die wir leider nicht mehr haben. Wir wollen uns sehr langsam nordwärts bewegen und möglichst viele Lavendelfelder in den flachen Ebenen fotografieren, da hier die Chance die erste Blüte zu sehen am größten ist.

Auf dem Weg zu unserem heutigen Ziel Grignan ist ein Zwischenstopp in Saint-Montan geplant. Wieder einmal finden wir keinen Parkplatz für unser Womo und fahren durch die superengen Gassen des Dörfchens hindurch, in der Hoffnung, dahinter einen Parkplatz zu finden, was aber auch nicht der Fall ist. Da das Sträßchen eine Einbahnstraße ist, müssen wir uns nunmehr den kompletten Berg hoch quälen, um auf der anderen Seite des Ortes wieder anzukommen – ein Umweg von gut zwanzig Minuten.

Unverrichteter Dinge setzen wir unseren Weg fort zum Kloster Aiguebelle. Unterwegs entdecken wir die ersten farbigeren Lavendelfelder und stellen fest, dass die unterschiedlichen Lavendelarten völlig unterschiedliche Blütestadien aufweisen. Von grün bis tief-lila sind alle Farbschattierungen möglich.



Über die eindrucksvolle Hängebrücke über die Rhone bei Viviers steuern wir kurz darauf unser Womo. Viel breiter und schwerer dürfte unser Womo nicht sein, sonst müssten wir an dieser Stelle umkehren. Wohnmobile über 3,5 Tonnen dürfen die Brücke nicht passieren. Wenig später stehen wir an einer Unterführung einer Bahntrasse mit einer Höhenbegrenzung von 2,80 Metern, unser Wohnmobil misst aber 2,91 Meter. Corinna steigt aus und prüft, ob wir bei der Durchfahrt anstoßen, was aber zum Glück nicht der Fall ist. Später lesen wir, dass Fahrzeuge bis drei Meter Höhe hier keine Probleme haben.



Aiuguebelle strahlt eine himmlische Ruhe aus und wir genießen einen Moment die Ausstrahlung dieses sehenswerten, mit Blumen umrankten Ortes.


Gegen Mittag erreichen wir den relativ neuen Campingplatz von Grignan, direkt unterhalb der Burg. In unserem zwei Jahre alten Womo-Führer ist noch zu lesen, dass sich hier lediglich ein Stellplatz befinden solle. Die überaus freundliche Besitzerin zeigt uns zunächst einmal, wo wir unser Wohnmobil versorgen können. Für die Grauwasserentsorgung gibt es lediglich einen Abfluss unter einem schweren Gullideckel, der geöffnet werden kann - und wenn man die Besitzerin nett bittet, gestattet sie einem diese ansonsten nicht vorgesehene Serviceleistung. Die Sanitäreinrichtungen sind pikobello und so entrichten wir gerne die mehr als angemessene Stellplatzgebühr von 17,50 € inklusive Strom. Wir sind der Meinung, dass Wohnmobilfahrer sich geradezu verpflichtet sehen sollten, solch liebevoll hergerichteten Plätze mit der Entrichtung ihrer Gebühr zu unterstützen, damit diese auch in Zukunft erhalten bleiben. Vielleicht wäre das auch ein Beitrag dafür, dass in Zukunft die zahlreichen Verbotsschilder für Wohnmobile von den Stadtvätern wieder verbannt werden und der scheinbar schlechte Ruf von Wohnmobilfahrern in Frankreich wieder etwas aufpoliert wird.

Nach einem kleinen Päuschen erkunden wir das liebevoll hergerichtete idyllische Städtchen. Das imposante Schloss thront hoch oben und weit sichtbar über der Stadt. Wenn man nur die Außenanlagen inklusive der Aussichtsterrasse besichtigen möchte, zahlt man lediglich 2 Euro Eintritt. Der Bau stammt ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert, wurde aber nach seiner vollständigen Zerstörung nach dem 1. Weltkrieg im Originalzustand wieder aufgebaut. Im Innenhof wird gerade eine Bühne für eine Theaterveranstaltung am Wochenende errichtet. Von der Aussichtsterrasse hat man einen wunderbaren Rundumblick und wir entdecken leuchtende Lavendelfelder, die wir morgen versuchen werden anzufahren.

Mit dem Fahrrad erkunden wir bei einer kurzen Runde die nähere Gegend um Grignan. Natürlich entdecken wir auch weitere Lavendelfelder, die anfangen zu blühen.





Eine echte kulinarische Entdeckung ist abends das Restaurant L´Hereux Hazard, das relativ neu zu sein scheint. Es stellt eine sehr gute und günstigere Alternative zum Gourmettempel des Ortes, den mit einem Michelin Stern ausgezeichneten „Le Poeme der Grignan“, in dem man in einem malerischen, mit Blumen umrankten Garten stilvoll aber auch teuer speisen kann. Das L´Hereux Hazard hingegen punktet durch seine unkomplizierte und unkonventionelle Atmosphäre. Wir werden von ausschließlich sehr jungem, aber sehr engagiertem Personal aufmerksam bedient. Man sitzt am Brunnen der Marquise de Sévigné, deren Lieblingsbeschäftigung, das Briefeschreiben, in dem auf dem Brunnen thronenden Denkmal festgehalten ist. Viele ihrer Briefe sind in einer Sammlung erhalten und geben einen Eindruck über das Leben zu Hofe im 17. Jahrhundert. Aber zurück zum Restaurant: Auf einer Schiefertafel sind die scheinbar wechselnden Gerichte aufgeführt. Für 29 Euro kann man vier beliebige Gänge für sein individuelles Menü zusammenstellen. Und jeder Gang ist auf seine Weise köstlich, angefangen von einer lauwarmen Gazpacho mit einem sehr zarten Rindfleischstück, über das Beef-Tartare und das auf der Zunge zergehende Sisteron Lamm. Als krönenden Abschluss wählen wir das Gourmet Dessert, ein Auswahl dreier verschiedener köstlicher Desserts.



Zur blauen Stunde wandeln wir durch die nunmehr nahezu menschenleeren Gassen Grignans zum Fotografieren. Die Straßenlaternen tauchen die Gässchen in ein mystisches Licht. Leider produziere ich bereits den zweiten Fotoequipment-Bruch der Reise: Nachdem mir vor ein paar Tagen ein Graufilter auf einen Felsen gefallen ist, fällt mir heute mein geliebtes Sigma-Weitwinkelobjektiv auf das harte Pflaster und geht zu Bruch – sehr, sehr ärgerlich!


    






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