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Amalfi

15. Mai 2012
Nachdem wir beide noch einen halben Tag gearbeitet haben, machen wir uns gegen Nachmittag auf den Weg zum hannoverschen Flughafen. Den Flug haben wir für 220,-- € bei lastminute.de gebucht. Ausführende Fluggesellschaft ist auf dem Hinflug Germanwings, auf dem Rückflug Air Berlin. Beim Einchecken erwartet uns eine unerfreuliche Überraschung, da uns mitgeteilt wird, dass die Gepäckbeförderung bei Buchung über lastminute.de nicht im Flugpreis inbegriffen ist. Zähneknirschend zahlen wir 20,-- € pro Gepäckstück und fühlen uns ziemlich abgezockt, zumal bei der Online-Buchung auf diese versteckten Kosten nicht oder allenfalls „höchst unauffällig“ hingewiesen wird. Zudem ist anzumerken, dass das Unternehmen auf unsere Beschwerde hin es nicht einmal für notwendig erachtet hat, zu reagieren. Wir können nur allen Lesern raten, bei Buchung eines Fluges über dieses Unternehmen zweimal hinzuschauen!

Nach gerade einmal zwei Stunden landet unser Flieger auf dem Flughafen von Neapel. Beim Anflug konnten wir schon das beeindruckende Panorama des Vesuvs bewundern. Die Autovermietungen befinden sich in Neapel nicht unmittelbar am Terminal. Ein Shuttlebus bringt die Fluggäste zu den Vermietstationen. Wir haben einen Fiat Punto bei billiger-mietwagen.de gemietet (335,-- € für 13 Tage inklusive Vollkasko ohne SB), Vermieter ist Hertz.

Über die A-3, die sich wahrhaft in einem verheerenden Zustand befindet, fahren wir zunächst in Richtung Sorrent, verlassen in Castellammare di Stabia die Autobahn, um über die Berge zu unserem Zielort Furore an der Costa d´Amalfi zu gelangen. Ab Agerola windet sich das kleine Bergsträßchen in zahllosen Serpentinen hinab. Oberhalb der „göttlichen Küste“ mit grandiosem Panoramablick über die zerklüftete Küste und den Golf von Salerno, liegt Furore, ein Dorf von gerade einmal 800 Einwohnern, deren Häuser scheinbar planlos am Hang verstreut worden sind.

Wir haben uns in den ersten fünf Tagen auf einem idyllischen Agritursimo eingemietet. Das Agriturismo Serafina ist ein reiner Familienbetrieb, das von Domenico und seiner Frau Giuseppine, zusammen mit ihren beiden Töchtern Rosa und Elena bewirtschaftet wird. Das Anwesen ist nur über einige Treppenstufen zu erreichen, so dass wir unser Gepäck im Schweiße unseres Angesichts hinab wuchten müssen. Wir werden von der Familie auf das Herzlichste begrüßt. Mit sichtlichem Stolz macht Domenico mit uns zunächst einen Rundgang durch die Räumlichkeiten des Haupthauses und stellt uns die Produkte vor, die auf dem Agriturismo auf traditionelle Art und Weise angebaut bzw. hergestellt werden. Vom Olivenöl angefangen, über Mandarinen, Apfelsinen und frischem Gemüse, diversen Schinken und Salamis, die in der Küche von der Decke herabhängen, bis hin zur Spezialität der Region, dem hausgemachten Limoncello, einem leckeren Zitronenlikör, wird uns gleich zu Beginn unseres Aufenthaltes geradezu mit einer „Aromen-Symphonie“ der Mund wässerig gemacht.

Anschließend beziehen wir unser Zimmer (70,-- €/Nacht), das rustikal und zweckmäßig, aber mit einem guten großen Bett und sogar einer Klimaanlage, wenn man sie denn braucht, ausgestattet ist. Außerdem gibt es einen Balkon, von dem wir auf das terrassierte Anwesen und das Meer schauen können. Jedes Zimmer hat seinen eigenen Namen, allesamt Ahnen der Familie Fusco - unseres heißt Serafi. Das Abendessen kann im Serafina optional für 20,-- € pro Person eingenommen werden und wird in den einschlägigen Internet-Foren, wie zum Beispiel Tripadvisor, in höchsten Tönen gelobt – zurecht, wie wir schnell feststellen werden. Alle Gäste sitzen in dem gemütlichen Gastraum, in dem ein Feuerchen im Kamin prasselt. Domenico unterhält die Gäste mit herzlichem Charme. Im Gegensatz zu seiner ältesten Tochter spricht er nicht englisch, aber er versteht es vortrefflich, sich bei allen Gästen auch ohne Fremdsprachenkenntnis verständlich zu machen. Unsere Spanischkenntnisse helfen uns dabei, selbst ein paar kleine Floskeln auf Italienisch zu formulieren. Er erklärt, dass alle Produkte, die auf den Tisch kommen, mit Ausnahme des Brotes im eigenen Agriturismo produziert worden sind. Zunächst gibt es diverse Teller mit Antipasti, darunter wahnsinnig leckere, in Olivenöl eingelegte Artischocken (Caffioci), Bruschetta mit frischen Tomaten sowie Coppa-Prosciutto und Salami. Natürlich begleitet das komplette Menü der Vino della Casa. Sowohl der Vino Bianco (für Corinna) als auch der Vino Rosso (für mich) ist von sehr guter Qualität.

   

Als Primo Piatto werden hausgemachte Pasta, die im Serafina grundsätzlich ohne Ei hergestellt werden, mit einer aus frischen, armatischen Tomaten angefertigten Sauce serviert. Dazu gibt es auf Wunsch höllisch scharfe getrocknete Chilly-Schoten, die im Gastraum zu Bündeln zusammengebunden von der Decke herab hängen und vom Hausherren eigens abgeschnitten werden. Wenn Pasta mit Tomatensauce - normalerweise nicht gerade mein Leibgericht – nur immer so sensationell schmecken würden ...! Als Segundo Piatto gibt es ein am Kamin gegrilltes Stück Schweinefleisch, ebenfalls aus eigener Schlachtung. Dazu werden in Öl eingelegte grüne Bohnen gereicht. Wir sind uns beide sicher, niemlas zuvor solch fantastisches Schweinefleisch gegessen zu haben. In Deutschland rühren wir schon seit Jahren kein Schweinefleisch mehr an, aber dieses Stück Fleisch könnte uns nachhaltig eines Besseren belehren! Schließlich gibt es noch Frutta, Mandarinen, Orangen und Äpfel. Als krönenden Abschluss bietet Domenico uns seine drei Hausliköre an, einen Limoncello, einen Mandarinen-Likör sowie einen mit Crema versetzten Limoncello. Und noch ein Superlativ: Diese Liköre sind fantastisch. Sie bergen die Sonne der Costa d´Amalfi in sich, die Frucht ist so intensiv, so aromatisch, so dass wir uns entgegen unserer Gewohnheit drei bis vier Gläschen des Digestivs gönnen. Nach diesem gelungenen kulinarischen Einstieg in den Urlaub können wir nur resümieren: So schmeckt Italien – genau so hatten wir es uns erhofft! Leicht „angeschickert“ gehen wir ins Bett und versinken in den viel zitierten „Schlaf der Gerechten“.


16. Mai 2012

Das Frühstück wird von Giuseppine, der Herrin des Hauses, kredenzt. Wie normalerweise üblich in Italien gibt es lediglich ein süßes Frühstück, bestehend aus Zwieback ähnlichem Weißbrot mit köstlichen hausgemachten Marmeladen von Birnen und Zitronen, außerdem zwei verschiedene selbst gebackene Kuchen.

Domenico versucht gestenreich das etwas kühle und bedeckte Wetter mit „Grande problema“ zu entschuldigen – nicht nötig, wie wir ihm versichern! Wir werden uns schon einen schönen Tag gestalten. Wir beschließen die Amalfitana entlang zu fahren bis nach Positano. Eine Autofahrt entlang der Amalfitana ist wahrhaft ein Erlebnis der besonderen Art. Teilweise ist die Straße so eng, dass Autos nur haarscharf aneinander vorbeipassen. Fahrern mit Höhenangst sei ausdrücklich von der Fahrt abgeraten, da die Strecke permanent entlang der senkrecht abfallenden Steilwand entlang führt. Dennoch bietet die 40 Kilometer lange Küstenstraße spektakuläre Ausblicke im Minutentakt. Nicht umsonst gilt die Strecke von Vietri sul Mare nach Positano als eine der herrlichsten Panoramastraßen der Welt. Insbesondere bei Motorrad- und Cabriofahrern ist die Fahrt entlang der Steilküste ein absoluter Klassiker. Dazu hat man permanent den frischen Duft von Zitronen in der Nase, die auf den terrassierten Feldern Rekordgrößen annehmen. Besser könnte unser erster Tag in Süditalien doch gar nicht beginnen.

Auf der kompletten Amalfitana herrscht in Sachen Parken absoluter Notstand! Nur selten bietet sich dem Autofahrer einmal die Gelegenheit, sein Gefährt am Seitenrand der schmalen Straße abzustellen. Wir wagen es am malerischen Fjord des Furoretals (Fiordo di Furore). Der Fjord wird von einem eindrucksvollen Viadukt der Küstenstraße überbrückt, sicherlich eines der meist fotografierten Motive der gesamten Costa d´Amalfi. Über eine Steintreppe gelangen wir hinab zu dem winzigen Kiesstrand, an dem sich auch die malerisch gelegene Trattoria Al Monazeno befindet. Wir fragen uns, wo denn die Gäste wohl parken sollen, wenn sie dieses lauschige Plätzchen aufsuchen? Informationstafeln weisen darauf hin, dass im Furoretal in den Fünfziger Jahren zwei Filme des berühmten Regisseurs Roberto Rosselini gedreht worden sind.

Nach einem ausgiebigen Fotostopp fahren wir die Amalfitana weiter bis nach Positano. Bei der atemberaubenden Strecke muss man sich als Fahrer schon arg am Riemen reißen, um den Verkehr nicht aus den Augen zu lassen. Parkausbuchtungen sind auf der gesamten Strecke absolute Mangelware. Manch findiger Anlieger wittert angesichts des Parkplatzmangels das leichte Geschäft und bietet einen Stellplatz für horrende Preise an. Immer wieder gerät der Verkehr auf der schmalen Serpentinenstraße ins Stocken. Insbesondere Reisebusse haben Probleme, an den überhängenden Felsvorsprüngen oder den Haarnadelkurven vorbeizukommen und müssen so manches Mal hin und her manövrieren. Die dadurch entstehenden Wartezeiten stören hier jedoch kaum jemanden, schließlich gibt es fast überall eine Menge zu sehen.

Um ins Zentrum von Positano zu gelangen, biegen wir auf eine winzige Einbahnstraße, die durch den Ort führt, ab. Auch hier – wie sollte es anders sein – herrscht absoluter Parkplatzmangel. Die einzige Chance, sein Vehikel abzustellen, ist auf die Dienste der zahlreichen Parkplatzanbieter zurück zu greifen. Die Preise sind dementsprechend horrend: Unter 3,-- € pro Stunde ist kaum ein freies Plätzchen zu bekommen! 

Positano gilt als Ferienort des internationalen Jetsets, auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat in einer der Nobelherbergen bereits seine Sommerfrische verbracht. Pyramidenförmig stapeln sich die pastellfarbenen Häuser mit ihren markanten Arkadenbögen den Hang hinauf und verleihen dem Ortsbild ein malerisches Ambiente. Unten am Strand halten zahlreiche Maler das Idyll in Öl oder als Aquarell fest und bieten ihre mehr oder weniger professionellen Werke den Touristen feil. Wir schlendern eine Weile am Strand entlang und gelangen schließlich in ein niedliches, von Blumen überranktes Gässchen, in dem weitere Maler ihre Bilder ausstellen. Sehr eindrucksvoll ist der barocke Palazzo Murat mit seinem prächtigen Innenhof, in dem man sehr stilvoll nächtigen kann. Den Garten des Palazzos zieren Palmen und andere pittoresk blühende Bäume. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Chiessa de Santa Maria Assunta mit seiner bunten Kuppel.

Auf dem Weg hinunter zum Strand haben wir ein malerisch gelegenes Restaurant entdeckt, das „Il Capitano“. Hier wollen wir eine kleine Mittagspause einlegen. Von der Terrasse hat man einen berauschenden Ausblick auf die Bucht von Positano. Wir bestellen gemischte Gemüse-Antipasti (6,-- €) sowie eine Pizza Marinara (13,-- €) – beide Gerichte sind hervorragend und jeden Euro wert.

Da wir noch ein wenig die Sonne genießen wollen, beschließen wir nach dem leckeren Mittagsmahl zum zweiten Stadtstrand, dem Spiaggio Fornillo, hinab zu steigen. Als Besucher der Costa d´Amalfi muss man tagtäglich zahlreiche Treppen steigen – das bekommen wir auch bei diesem kleinen Abstecher zu spüren. Schon der Schriftsteller John Steinbeck schrieb über Positano Mitte des 20. Jahrhunderts: "Ich habe das Empfinden, dass die Welt in Positano senkrecht steht"!

Über 460 Treppenstufen gelangt man zu dem kleinen Kiesstrand. Auch die Gäste der kleinen Pensionen auf dem Treppenweg müssen wohl oder übel ihr komplettes Gepäck mühsam die Stufen hinunter transportieren. Unten am Strand werden soeben die unvermeidlichen Lidos (im Gegensatz zu den „Bagnis“ ins Norditalien, wird der Verleih von Liegen und Sonnenschirm im Süden als „Lido“ bezeichnet) für die italienischen Sommer-Feriengäste vorbereitet. Wir relaxen noch ein gutes Stündchen am Strand und genießen das Meeresrauschen. Nach einem schweißtreibenden Aufstieg nehmen wir unser Auto in Empfang, zahlen unsere 15,-- € Parkgebühr und fahren die Amalfitana zurück nach Amalfi, dem weltberühmten pulsierenden Herzstück der Costa d´Amalfi. Da in den Straßen das absolute Chaos herrscht und die ohnehin raren Parkplätze hier gar unverschämte 5,-- € pro Stunde kosten, beschließen wir zu unserem Agriturismo zurück zu fahren. Zuvor wollen wir aber noch Wasser einkaufen, ein gar nicht so einfaches Unterfangen. An der ganzen Amalfitana haben wir keinen Laden entdeckt und auch auf der Straße nach Furore werden wir nicht fündig (später entdecken wir einen winzigen Mercado in Furore). Also fahren wir bis nach Agerola, wo wir zudem in dem kleinen Tabacchi-Laden unterhalb der Piazza eine sehr gute Wanderkarte erwerben (siehe unsere Literaturempfehlung). Die Präsentation der Waren in dem kleinen Laden ist gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig – es herrscht scheinbar das Chaos. Der Inhaber scheint sich jedoch mühelos zurecht zu finden, denn er zaubert aus einem Berg von Kartons die gewünschte Karte hervor.

Zurück im Serafina, entspannen wir noch eine Weile und machen uns dann auf ins gute Stübchen des Agriturismo, wo uns heute erneut ein super leckeres Menü erwartet:

  • Antipasti mit hauchdünnen, in Öl eingelegten Kürbisscheiben, sauer eingelegte Sardinen mit Knoblauch sowie Prosciutto und Salami.
  • Primo Piatto: Mit hausgemachtem Ricotta gefüllte Tortellini.
  • Segundo Piatto: Von Tochter Rosa gegrillte Würstchen mit einem auf einem Limonenblatt gebackenen Stück Käse – eine Spezialität des Hauses, wie uns Domenico versichert.

Und als Abschluss gibt es wieder Frutta und natürlich ein bis zwei Limoncellos! Domenico lässt uns zudem die faustgroßen Zitronen, auch Pane di Limoni genannt, kosten. Die Besonderheit dieser Früchte, aus der hier der Limoncello gewonnen wird ist, das lediglich die äußere gelbe Schale der Zitrone abgeschnitten werden muss, das weiße Fruchtfleisch ist hingegen genießbar. Die Familie Fusco ist geradezu eine Fundgrube alter landwirtschaftlicher Tradition, tief mit der Geschichte dieses Landes zwischen Himmel und Meer verbunden. Ein Beispiel? Die frischen Tomaten werden zu typischen "Piennolo" (Bündeln) gebunden, aufgehängt und über Monate gelagert, damit sie ihre konzentrierten Aromen entfalten können. Buon apetito!



17. Mai 2012
Direkt nach dem Frühstück brechen wir auf zu unserer ersten Wanderung: Über den Sentiero di Barbarena nach Praianao – Marina di Praia / Torre Assiola – über den Sentiero dell´Agave in fiore nach Sant´Elia – über den Sentiero della volpe pescatrice zum Fiordo di Furore – zurück nach Sant´Elia – Serafina. Alle Wanderungen, die wir an der Amalfi Küste machen, sind im Rother Wanderführer ausführlich beschrieben.


Unmittelba
r an unserem Agriturismo startet der Sentiero di Barbanera. Entlang des Weges erfreut den Wanderer um diese Jahreszeit eine duftende
Blütenpracht, begleitet von spektakulären Ausblicken auf die Costa d´Amalfi. Zunächst umwandert man den terrassierten Taleinschnitt. Bereits auf unserer ersten Wanderung kreuzen zwei Schlangen unseren Weg! Unterwegs gibt es so viel zusehen und zu fotografieren, dass wir die an den Wegweisern ausgewiesenen 45 Minuten für den Weg nach Praiano gar nicht schaffen können und wollen. Die beiden Agriturismi Serafina und das etwas höher gelegene Sant´Alfonso, für das wir uns ebenfalls sehr interessiert hatten, sind im ersten Teilabschnitt des Weges jederzeit in Sichtweite.

 

In Praiano angekommen, kaufen wir in dem kleinen Lädchen mit dem vielsagenden Namen „Tutti Tutti“ erst einmal ein Brot und Prosciutto für ein zweites Frühstück, das wir auf dem Kirchplatz unterhalb des Ladens einnehmen. Ein kleiner Treppenweg führt uns anschließend hinab zur Marina di Praia und zum Torre Assiola. Am Meer ist ein wunderbarer kleiner Weg zu finden, die „Pasegiatta Romantica, abends romantisch durch Fackeln illuminiert. In das an diesem aussichtsreichen Weg gelegene Restaurant „Il Pirata“ werden wir sicher noch an einem anderen Tag einkehren. In der Nähe der Marina machen wir eine kleine Siesta, da es die Sonne es gegen Mittag richtig gut meint.

 

Von der Marina aus führt der Sentiero dell´Agave in fiore über einen steilen Treppenweg aufwärts. Im weiteren Verlauf sind kleinere Klettereinlagen notwendig, um auf einen auf rund 200 Höhenmetern gelegenen Bergpfad zu gelangen. Unser Agriturismo ist hier zum Greifen nah, wir queren jedoch nur die mit Weinstöcken bepflanzten Terrassen und setzen unseren Weg fort. Teilweise ist der schmale Pfad in einem sehr schlechten Zustand und wild überwuchert, so dass wir immer wieder nach dem richtigen Weg Ausschau halten müssen. Im oberen Abschnitt macht der Wanderweg seinem Namen alle Ehre, überall wuchern Agaven. Schließlich gelangen wir über einen schönen Panoramaweg nach Sant´Elina. Ins Dorf hinein führt die „La Passegiatta dell´Amore“ und schnell wird uns klar, warum dieser Name ausgewählt worden ist: Den Weg säumen lauschige Sitzbänke mit Gedichten und weisen Sprüchen von Schriftstellern, die zu einem romantischen Rendezvous einladen. Auf dem ersten Schild ist zu lesen:

Passegiatta dell´Amore
Osservare tra fondi il palpitare
Contano di scaglie die mare.
Mentre si levano tremuli scricchi
Di cicale dai calvi picchi.
Da „Ossi di seppia“ di Eugenio Montale

Von hier aus könnten wir jetzt unsere Runde eigentlich in gerade einmal 20 Minuten beenden, wir entscheiden uns aber zu er sportlichen Variante und machen noch einen Abstecher hinunter zum Fiordo di Furore. Ein nicht enden wollender Treppenweg führt unweit vom Kirchplatz „Piazza del Carmine“ hinab zum Fiordo. Erstmals packen wir unsere Wanderstöcke aus, um es uns ein wenig leichter zu machen. Trotzdem geht der Weg ziemlich in die Knie. Im unteren Teil hat man erneut einen grandiosen Ausblick auf die Küstenlinie bis nach Praiano.

Im Fiordo angekommen gönnen wir uns in der Trattoria Al Monazeno, die wir vorgestern hier entdeckt hatten, einen kleinen Snack: Hervorragende Antipasti Marinara mit Fischkroketten und jeweils einem Stück in Limonensaft eingelegten Lachs- und Schwertfisch Capacchio (10,-- €) sowie einen Salat mit Thunfisch, Tomaten und Mozzarella (8,-- €). Am kleinen Kiesstrand genießen wir schließlich noch die letzten Sonnenstrahlen, bevor die Sonne hinter der Steilwand des Fjords verschwindet.

Zurück geht es auf gleichem Weg – bergauf ist der Treppenweg eine wahrlich schweißtreibende Angelegenheit. Rund 300 Höhenmeter sind über die Treppenstufen zu bewältigen. Oben in Sant´Elina angekommen, legen wir erst einmal eine ausgiebige Rast ein. Wir werden schon eine ganze Weile von einem kleinen herrenlosen Hund begleitet, der immer mal wieder verschwindet, plötzlich aber wieder wie aus dem Nichts neben uns auftaucht. Wir vermuten, dass er sich von uns sein heutiges Abendessen erhofft ...!?

Ein letzter kurzer Treppenweg, der neben der Kirche von Sant´Elia aufwärts führt, ist noch zu bewältigen, dann befinden wir uns auf einer Höhe zu dem Sträßchen, dass zum Agriturismo Serafina führt. Von hier ist es nur noch ein kurzer Marsch von 20 Minuten. Die Wanderung, insbesondere die Treppenstufen, stecken uns in den Knochen, so dass wir uns vor unserem Abendmenü noch ein Stündchen ausruhen.

Das heutige Menü besteht aus:

  • Antipasti: Neben dem Prosciutto-Salami Teller gibt es als Besonderheit ein Omelett mit süßen Zwiebeln sowie in Olivenöl eingelegte Pilze.
  • Primo Piatto: Klassische Spaghetti mit frischen Tomaten – Corinna als bekennender Pasta-Fan hätte sich am liebsten noch einen zweiten Teller bestellt!
  • Segundo Piatto: Gegrillter Schinkenspeck mit eingelegtem Fenchel und Saubohnen.
  • Und schließlich wie jeden Abend: Obst und Limoncello!


18. Mai 2012
Heute steht einer der berühmtesten und schönsten Wanderwege Europas auf dem Programm, der „Sentiero Degli Dei“, der Weg der Götter. Den Namen verdankt der Weg einer Reihe von Tempeln, die zu Ehren der Götter Minerva, Mitra und Ceres entlang des Pfades in der Römerzeit errichtet worden sind. In der Neuzeit diente der Götterweg lediglich als Verbindung zwischen den Ortschaften Montepertuso an der Küste und dem Bergdorf Agerola, heutzutage ist er nur noch Ziel zahlreicher Wanderer, die sich diesen Traumpfad auf Schusters Rappen erschließen wollen.

Wir fahren in das von unserer Unterkunft fünf Kilometer entfernte Agerola. Eine gute Parkmöglichkeit für die Wanderer ist der kostenlose Parkplatz 100 Meter unterhalb der Piazza Paolo Capasso. An der Piazza beginnt auch die Wanderung und man folgt fortan einer rot-weißen Markierung. Zunächst führt der Weg über eine schmale betonierte Straßen bis zum Einstieg in den Sentiero. Sofort öffnet sich uns ein atemberaubender Blick in die Bucht von Praiano, auch unser Agriturismo ist von hier oben zu bewundern. Von hier oben erkennt man erst, in welch landschaftlich priviligierter Lage wir wohnen! 

Auf einem Eselsweg geht es vorbei an der Grotta Biscotto und weiteren in die Felshöhlen gebauten Felsbehausungen bis zur Passhöhe des Colle la Serra. An einer Weggabelung, an der es links nach Praiano und rechts nach Positano geht, folgt der nächste fantastische Weitblick auf das unterhalb gelegene Praiano sowie im weiteren Verlauf auf die komplette nördliche Amalfiküste bis hin zu Insel Capri.

Die Markierungen des Sentieros sind hervorragend, anders als im Michael Müller Reiseführer beschrieben. Der Sentiero Degli Dei ist wie erwartet relativ stark frequentiert. Bereits auf dem ersten Teilstück begegnen uns auch einige geführte Trekkinggruppen. Auf den nächsten Kilometern macht der Götterweg seinem Namen alle Ehre. Ein landschaftlicher Höhepunkt jagt den nächsten. Bei einer Pause mit Ausblick auf das jetzt unter uns liegende Positano entdecken wir in der Nähe unseres Rastplatzes auf einem sonnigen Felsen ein botanisches Highlight, ein äußerst seltenes Exemplar einer „Spinnen-Orchidee“.

Wir queren noch einige tiefe Taleinschnitte mit Kastanien- und Steineichenwäldern, bis wir nach einer sieben Kilometer langen Wegstrecke das Bergdörfchen Nocelle erreichen. Wer jetzt bereits müde ist, kann sich von hier aus mit dem Sita Bus hinunter nach Positano bringen lassen. Keine Alternative für uns - wir werden zu Fuß laufen. An der kleinen Kirchenpiazza Maria Santissima del Carmelo beginnt der Sentiero ins Nachbardorf Montepertuso. Kaum zu glauben, dass Nocelle erst vor elf Jahren eine Straßenanbindung erhalten hat. Bis dahin mussten die Bewohner sämtliche Dinge des alltäglichen Lebens über den kleinen Pfad von Montepertuso ins Dorf transportieren! Bei der Brücke, die eine dramatische Schlucht überspannt, stößt der Verbindungsweg auf die neue Straße, der wir nun bis nach Montepertuso folgen. Eigentlich wollen wir in dem schön gelegenen Ausflugslokal La Tagliata, vor dem als „Hinweisschild“ ein alter knallig orangefarbener Fiat Cinqueciento herhalten muss, eine Rast einlegen, jedoch ist hier soeben eine lärmende Touristengruppe eingefallen, so dass wir unsere Pläne ändern. Wir laufen hinunter bis zum Ortskern. Oberhalb des Ortes ist ein Felsen mit einem riesigen Loch zu bewundern mit einem Ausmaß, wie wir es bisher nur im Südwesten der USA zu sehen bekommen haben. An der Piazza von Montepertuso verläuft rechts unterhalb der Kirche die Via Pestella, Ausgangspunkt des Treppenweges hinunter nach Positano. Rund 2.000 Stufen müssen wir jetzt bewältigen – für unsere ohnehin schon geschundenen Knie nicht gerade eine Freude. Wir passieren den hübschen Friedhof von Positano und kreuzen schließlich die Amalfitana, um über die letzten Treppenwege im Ort zum Strand und zum Porto zu gelangen. Bis Nocelle ist der Götterweg  relativ moderat zu begehen, der Treppenweg von Montepertuso nach Positano mit 400 Höhenmetern hat es jedoch in sich.

Unten am Strand von Positano befinden sich eine Reihe von Touristenlokalen, deren Rummel und geschäftiges Treiben auf den Individualreisenden befremdlich erscheinen mag. Teuer sind sie allesmal, dennoch entscheiden wir uns, in einem der Lokale ein Panini einzunehmen. Wir haben geplant, mit dem Boot nach Amalfi zu fahren und erwerben an der Anlegestelle Tickets für 7,-- € pro Person. Die Boote verkehren um diese Jahreszeit nahezu im Stundentakt entlang der Küstenlinie und verbinden die großen Orte miteinander. Die Fahrt nach Amalfi dauert 25 Minuten. Dort lassen wir noch eine Weile das urbane Treiben des Städtchens auf uns wirken. An einer der zahlreichen Eisdielen kaufen wir ein sündhaft teures Eis (5,--€ für einen kleinen Becher) und setzen uns auf die monumentale Freitreppe des Sant´Andrea Doms (67 Stufen). Der eindrucksvolle Dom besticht durch seinen farbenfrohen arabisch-romanischen Baustil und den markanten seitlichen Glockenturm. Eine Weile beobachten wir das bunte Treiben auf der Kirchpiazza.  

 
 
Zurück fahren wir mit dem Sita-Linienbus nach Agerola – in der Tat ein abenteuerliches Unterfangen. Für die Fahrt entlang der Amalfitana und der schmalen Bergstraße hinauf nach Agerola sollte man tunlichst keinen empfindlichen Magen besitzen. Vor jeder Kurve warnt der Busfahrer mit seinem eindrucksvollen Horn den Gegenverkehr. In Agerola angekommen fahren wir auf direktem Weg zurück in unser Agriturismo.

Unser heutiges Abendmenü bietet einen ähnlichen Verlauf wie die Tage zuvor. Als Segundo Piatto wird Tintenfisch mit Kartoffeln in Tomatensauce serviert.

     


19. Mai 2012
Endlich wollen wir einmal ein ausgiebiges entspannendes Sonnenbad genießen. Nach dem Frühstück machen wir es uns zunächst auf der großen Terrasse unseres Agriturismos gemütlich und erkunden danach die Obst- und Gemüseterrassen. Alle Zitruspflanzen wachsen entlang eines Naturholzgerüstes und überdachen somit die kompletten Terrassen. Somit lassen sich die Früchte sehr leicht im Stehen ernten. Der Duft unter den Zitrusdächern ist betörend!


Eine kleine Wanderung absolvieren wir aber dennoch und beschließen die gleiche Runde zur Marina di Praia wie vor zwei Tagen, lediglich in umgekehrter Richtung, in Angriff zu nehmen. Wir stellen schnell fest, dass der Weg in diese Richtung insgesamt wesentlich eindrucksvoller ist.
Unten an der Marina herrscht lebhaftes Treiben – soeben wurde dort eine Szene eines amerikanischen Werbefilmes für die Einführung des Fiat Cinqueciento in den USA gedreht. Idee des PR-Spots ist, dass das Auto an der Amalfiküste in Italien ins Meer fährt und im „Land der unbegrenzten Möglickeiten“ wieder aus dem Meer auftaucht. Zu diesem Zweck wird das Fiat Ciqueciento Cabrio einfach einmal im Meer versenkt! Das schöne Auto ruht noch in der Nähe des Strandes im Wasser als wir am Praia ankommen, wird aber wenig später von dem Filmteam herausgezogen.


Wir suchen uns ein schönes Plätzchen im Restaurant „Il Pirata“, das uns vorgestern bereits ins Auge gesprungen ist und bestellen von der „Snackkarte“ der Bar einen Salat „Big Italiana“, der für 10,-- € jedoch etwas enttäuschend ausfällt sowie Bruschetta mit Mozzarella und Tomaten sowie Anchovis und Zwiebeln (je 5,-- €), ebenfalls keine kulinarischen Offenbarung. Das Preisniveau des Restaurants ist aufgrund seiner exponierten Lage erwartungsgemäß als gehoben zu bezeichnen – dies zeigt uns ein Blick in die Abendkarte.


Anschließend machen wir es uns auf einer betonierten Plattform unterhalb des Torre Assiola gemütlich und nehmen ein ausgiebiges Sonnenbad. Am Ende der „Passegiatta Romantica“ befindet sich die Diskothek Africana, die auch durch Shuttleboote aus Positano und Amalfi angesteuert wird. Man kann sich leicht vorstellen, dass dieses Etablissement den Anwohnern ein Dorn im Auge ist, da sie in den Abendstunden mit Sicherheit die Ruhe dieses idyllischen Örtchens stört.
  Zurück wandern wir den Treppenweg hinauf nach Praiano, finden dann aber den Einstieg in den Sentiero nicht, so dass wir erst über Umwege zurück zu unserem Agriturismo gelangen. In Praiano oberhalb der Kirche sollte man nicht den ersten Parallelweg nehmen sondern muss noch eine weitere Etage auf die höchste Ebene des Ortes ansteigen, um auf den Sentiero Barbarena zu gelangen. 

Unser letztes Abendessen im Serafina. Heute gibt es als Primo Piatto Raviolis, gefüllt mit Ricotta und Rucola sowie als Segundo Piatto geschmortes Schwein in Tomatensauce. Überflüssig zu erwähnen, dass uns alles erneut hervorragend mundet. Wenn überhaupt irgendetwas an dem hervorragenden Essen im Serafina zu beanstanden ist, dann ist es die Tatsache, dass es jeden Abend als Dessert Obst gibt. Wir hätten uns auch einmal ein Tiramisu oder ein anderes italienisches Dessert gewünscht.
 


20. Mai 2012
Nach dem Frühstück erwerben wir noch bei Domenico je eine Flasche des köstlichen Limoncellos und des Mandarinenlikörs (je 10,-- €). Natürlich interessiert uns das Rezept des Limoncellos, das uns Giuseppine nur zu gerne in die Feder diktiert: In einem Liter 95 %igen Alkohol wird die Schale von 6 großen Limonen 4 – 5 Tage eingelegt. Aus einem Liter Wasser und 700 Gramm Zucker wird ein Sirup gekocht, der nach dem Abkühlen mit dem Filtrat des Limonen-Alkohols gut vermischt wird. Klingt gar nicht so schwer, einziges Problem wird in der Heimat sein, solch fantastische Zitronen zu beschaffen!  Wir erhalten noch eine Limonen-Marmelade als Abschiedsgeschenk, tragen uns in das Gästebuch ein und brechen dann auf. Unser Gepäck wird von Domenico mittels eines rostigen alten Lastenliftes nach oben zur Straße transportiert. Sicher werden wir eines Tages an diesen besonderen Ort zurückkehren!

 



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